Jascha Rohr

Der Gestaltenwandler ist eine Figur, die mich schon immer beschäftigt hat. Ob in Form des Tricksters, eines in vielen Mythen vorkommenden sich verwandelnden Tiergottes, ob bei Carlos Castaneda, dessen Bücher ich in meiner Pubertät verschlungen habe oder in der Wissenschaftstheorie von Donna Haraway. Immer schon hat es mich fasziniert, wenn Menschen in der Lage sind, in unterschiedlichen Rollen aufzutreten und in allen gleichermaßen souverän und authentisch zu sein. Den so oft beschworenen inneren Kern des Menschen konnte ich bei mir noch nie fassen. Mir scheint es eher, als sei mein Zentrum ein amorphe Wolke, die sich mit den Erfahrungen, die ich im Leben mache, wandelt. Selten plötzlich und abrupt aber doch stetig. Natürlich werde ich nie von einem Moment zum anderen jemand völlig anderes; es gibt unzählige Konstanten, die auch mein Leben fest prägen und berechenbar machen aber andererseits könnte ich auch nicht auf etwas in mir zeigen und sagen, das da, das bin ich!

Diese Internetseite gibt davon Zeugnis: ich zeige hier unterschiedliche Gesichter, die alle zu mir gehören: den Akademiker, den Gestalter, den Geschichtenerzähler und Musiker, den Vater und Partner, den Konzeptentwickler, den social entrepreneur und den Philosophen, den Freak und Visionär, den Geschäftsmann und Unternehmer. Und dazu gesellen sich viele Gesichter, die ich hier nicht zeige, die aber ebenfalls zu mir gehören. Manche Gesichter verblassen mit der Zeit, manche kommen dazu, manche zeigen große Kontinuität manche sind flüchtig wie Blätter im Wind.

Ich habe es gewagt dies alles auf eine Internetseite zu packen, weil ich einen thematisch roten Faden sehe, um den sich meine Seinswolke immer wieder zusammenballt. Der gemeinsame rote Faden liegt in meinem Forschen nach Beziehungen, von denen ich glaube, dass sie es sind, die unserer Welt eine Form geben statt der Dinge, aus denen sich die Welt scheinbar zusammensetzt. Beziehungen verändern sich, sie sind flexibel und pulsieren, sie werden durch Prozesse geprägt und sind selbst Antrieb dieser Prozesse. Diese Vielfalt, Wandelbarkeit und Lebendigkeit faszinieren mich und so forsche ich weder, in dem ich versuche Beziehungen von außen zu betrachten, noch indem ich versuche die Veränderungen von Beziehungen anzuhalten, sondern in dem ich selbst Beziehungen eingehe und mich damit mitten in das Netz der Beziehungen werfe. Das ist für mich wie Schwimmen in der Tiefsee, ein Extremsport, der süchtig macht.



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