Philosophie
Denken ist für mich eine der spannendsten Erfahrungen, von der ich nie genug kriegen kann. Es macht mich traurig, wenn das kreativ analysierende und gestaltende Denken an den Universitäten zum Selbstzweck wird. Noch trauriger ist es aber, wenn man sich eben dadurch vom Abenteuer des Denkens abbringen ließe, weil man, fehlgeleitet durch die Berge bedeutungslosen akademischen Gehabes, glaubt, das Denken selbst sei langweilig, bürokratisch und lebensfern.
Es stimmt natürlich, dass Denken eine Zumutung ist. Denken kann schmerzen und quälen. Aber Denken kann auch wachrütteln und hat sprengende Kraft. Wer denken möchte, muss sich Mühe geben und es mit Ernst betreiben. Ohne das unermüdliche in Frage stellen liebgewonnener Positionen ist philosophische Tiefe und Einsicht nicht zu haben. Aber Denken kann auch beflügeln, Spaß machen und das Leben immer wieder mit neuen Erkenntnissen würzen. Das authentische Denken, dass allen großen Philosophen zu eigen ist, hat uns mit einem so unglaublich reichen Wissensschatz beschenkt, dass ich immer wieder vor Ehrfurcht und Dankbarkeit erblasse. Doch das wirkliche Geschenk sind nicht die eigentlichen Lehren der Philosophen, sondern die Chance an ihren Denkprozessen teilhaben zu dürfen.
Philosophie in seiner ursprünglichen Form ist ein Fragen nach dem Warum und dem Wie der Welt. Das geht jeden etwas an. Philosophie kann ein Weg zu Wissen, Erkenntnis und vielleicht sogar Erleuchtung sein wie jeder andere auch, wenn man sich darum bemüht, ihn authentisch, wahrhaftig und konsequent zu gehen. Wer der Meinung ist, Philosophie bringe ihm nichts, hat möglicherweise noch nie authentisches Denken im Prozess erlebt oder bisher nur Denkprodukte konsumieren dürfen. Mit den Beiträgen hier hoffe ich dagegen immer wieder Einladungen zum authentischen Denken aussprechen zu können. Die Beziehungen zwischen uns und der Welt werden auch dadurch geformt, dass wir über sie nachdenken und sie benennen. Das ist mehr als passives Grübeln. Das ist aktives Gestalten!
Meine eigenen philosophischen Ideen beschreibe ich gerne als Philosophie der Teilhabe; eine Philosophie, die aus der direkten Lebenserfahrung gespeist wird und sich mit den Fragen beschäftigt, wie aus all den anscheinend getrennten Dingen dieser Welt sich ein gemeinsam gestalteter Lebensprozess entwickelt. Um diese Frage zu ergründen, versuche ich die Natur von Beziehungen zu verstehen, da ich vermute, dass sie und nicht die vereinzelten Dinge der Antrieb hinter dem lebendigen Prozess sind, den wir Welt nennen. Die Logik, die hinter dieser Philosophie der Teilhabe steht, versuche ich als Polylektik zu verstehen.














